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GRIS-Systeme in der Praxis

Die Auseinandersetzung mit digitalen geografischen Daten ist naturgemäß nicht reibungslos. Die Grenzen eines theoretischen Konstruktes werden im Laufe einer Umsetzung erreicht und das Konzept immer wieder korrigiert und verbessert.
Der Aufbau eines regionalen GRIS ist eine Generationenaufgabe, die von allen Beteiligten kontinuierlich getragen werden muss. Deshalb ist es nur möglich, mit den kommunalen Partnern zusammen ein System zu entwickeln, das ihnen in der Anfangsphase die Möglichkeit gibt, ihr bereits entwickeltes kommunales System weiter zu nutzen und sich nach und nach mit einem regionalen abstimmen zu können: Man möchte die Projektpartner da abholen, wo sie stehen.
Die Aufnahme unterschiedlicher Systeme erfordert ein erhöhtes Maß an Koordination und stellt ein regionales GRIS vor neue Aufgaben.

Hier stellen wir einige Problemen und Erkenntnisse aus diesem Prozess dar.

Unterschiedliche Datengrundlagen

Es gibt verschiedene Datengrundlagen, auf die man ein GRIS aufbauen kann:
Die Deutsche Grundkarte im Maßstab 1:5000 als Bildformat
Luftbilder bis zu einer Auflösung von 10 cm
Die digitalen Karten der Amtlichen Liegenschaftskataster 1:1000

Unstimmigkeiten DGK Luftbild

Diese Kartengrundlagen wurden von verschiedenen Stellen zu unterschiedlichen Zeiten unabhängig von einander erstellt. Das birgt eine Ungleichheit der Daten, die erheblich sein kann und einen hohen koordinativen Aufwand zur Folge hat.
Wonach soll man kartieren, worauf die Daten aufbauen? Welche Information kommt der Realität am nächsten? Welche Datengrundlage haben die Partner verwendet?

Überschneidung digitalisierter Flächen

Überschneidung Eigentumsflächen

Veränderungen der Situation gegenüber dem Datenstand

Grünflächen verändern sich ohne pflegende Eingriffe jeden Tag. Die Veränderungen zwischen dem Stand der Kartierung / Befliegung und heute sind teilweise sehr groß. Immer wieder müssen die Flächen überprüft werden, ob sie noch so existieren, wie sie kartiert sind. Ein Beispiel: links die Information aus dem Luftbild von 2005, rechts die Situation heute (April 2008).

Vergleich Luftbild Realität

Überprüfung vor Ort

Ende April fand eine "Exkursion" per Fahrrad zu den Vertieferprojekten statt: Die auf Grundlage der ALK und Luftbilder erstellte Objektartenkartierung des Mechtenberg wurde überprüft, korrigiert und ergänzt. Dabei erwies sich in diesem Zusammenhang das Fehlen eines landschaftsarchitektonischen Entwurfes teilweise als problematisch, da immer wieder beim Kartieren pflegerelevante Entscheidungen über den Umgang mit bereits gewachsene Änderungen zu treffen waren.

Fahrradexkursion Projektaufnahme

Unterschiedliche Digitalisierungsstandards

Es gibt viele verschiedene GIS-basierte Programme. Nicht jede Kommune arbeitet mit der ESRI-GIS Endanwendung, so dass ein Datenaustausch nicht immer problemlos erfolgen kann. Zum Beispiel kann das GIS Programm der Stadt Bochum mit dem ESRI - Programm nur über DXF kommunizieren. Dafür kann man Lösungen entwickeln, was auch an dieser Stelle Koordinationsarbeit bedeutet.
Für die Digitalisierung der Objektarten (Parkprodukt mit mehreren Partnern) ist es absolut unumgänglich, sich hinsichtlich der Erfassungsgeometrien auf einen Digitalisierungsstandard zu einigen. Das bedeutet, zu entscheiden, ob man ein Objekt als Linie, Fläche und Polygon erfasst oder alles in Polygonen: Ist ein Baum ein Punkt oder eine Fläche? Ist ein Reihe Randsteine eine Linie oder eine Fläche? Mit welcher Einheit ist ein Objekt im Leistungstext hinterlegt? Stück, Meter, Quadratmeter?

Vergleich Essen MEV Gelsenkirchen

Unterschiedliche Objektarten

4 von 11 beteiligten Partnern haben bereits eine digitale Erfassung Ihrer Grünflächen, 4 sind am Aufbau einer solchen, 3 Partner haben keine Erfassung in näherer Zeit geplant. Eine Abstimmung zwischen benachbarten Kommunen im Vorfeld gab es im gesamten Bundesgebiet nicht. Das liegt auch daran, dass die Entwicklung der GRIS-Systeme oft parallel zur Umsetzung verlief. Deshalb hat jede Kommune ein anderes System, Grünflächen in Objektarten zu gliedern und diese digital zu erfassen.
Das Ziel eines regionalen GRIS Systems mit regionalem Objektartenkatalog ist dehalb ein ehrgeiziges: eine Angleichung der kommunalen Systeme an ein abgestimmtes regionales dauert Zeit. Während dessen soll jedoch eine Kommunikationsplattform geschaffen werden, die eine Kooperation der Partner der Region befördert.

Eine "Übersetzung" der Objektarten der unterschiedlichen Kataloge ist notwendig, damit man sich über identische Positionen unterhält. Die technische Umsetzung erfolgt teilautomatisiert über Tabellen, die jeweils den regionalen und den lokalen OAK enthalten und im GIS automatisch die Übersetzung geben, jedoch von Hand erstellt werden müssen.
Außerdem ist in der überwiegenden Zahl der zu übersetzenden Objektarten sowohl auf der semantischen Ebene, als auch hinsichtlich der Geometrien keine Eindeutigkeit vorhanden. Hierzu kann das GIS zwar eine entsprechende Information mitliefern, die genaue Übersetzung muss dann im Einzelfall aber vor Ort oder in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern erfolgen.
Da eine Vereinheitlichung der Objektartencodes aber nur im Falle von Flächentausch etc. bei der Pflege zum Einsatz kommt wird sich erst in der Praxis zeigen ob die Projektpartner diese Möglichkeit nutzen werden.

Übersetzung der Objektarten
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